»Die Kunst des Lehrens hat wenig mit der Übertragung von Wissen zu tun,
ihr grundlegendes Ziel muss darin bestehen, die Kunst des Lernens auszubilden.«
(Glasersfeld, 1987)

Der Lernprozess als Basis allen Lebens und Überlebens

Lernen wird verstanden als Interaktion eines Organismus mit der Umwelt. Lernen ist der Prozeß, der einen Organismus veranlasst sich auf veränderte Umweltbedingungen einzustellen um sein Überleben zu sichern. Die Grundlage dieses Lernverständnisses liegt in der Nervenbiologie, empirisch gewonnen durch Tierbeobachtungen.
Was geschieht wenn der Mensch lernt, wird mit einer Metapher aus der Informatik beschrieben: Informationsverarbeitung. Lernen geschieht zwischen input und output. Der Lernende gleicht einem Prozessor, der Informationen annimmt, verarbeitet und sie wieder nach außen abgibt. Lernen ist abhängig von den Reizen (input). Wenn das Verhalten in Situation 1 anders ist als in einer vergleichbaren Situation 2, dann hat ein Lernvorgang stattgefunden. Die Disposition des Menschen hat sich verändert. 

Das Lernverständnis ist abhängig von der Forschungsperspektive

 Trotz des Forschrittes gerade in der empirischen Erforschung des Lernens seit Skinner ist klar, daß jede wissenschaftliche Definition von Lernen, immer vom jeweiligen disziplinären Standpunkt geprägt ist.
Einige Beispiele:

  1. Lernen in der Perspektive der Biologie: Lernen ist das Wachstum von Dendriten (Enden der Nervenzellen) und die hieraus folgende Produktion von Synapsen, (Koppelstellen von Nerven) welche die Dendriten verbinden.
  2. Lernen in der Perspektive der Gehirnforschung: "Lernerfolg und gute Schulleistungen liegen also nicht nur in der absoluten Intelligenz des Einzelnen, sondern oft an der relativen Übereinstimmung zweier Muster, an der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Resonanz".
  3. Lernen in der Perspektive der Wissenschaftstheorie des Konstruktivismus: Lernen ist Rekonstruktion der Wirklichkeit durch das Subjekt.
  4. Eine mittelalterliche Definition: "Der Anfang des Lernens ist die Lesung, die Vollendung in der Meditation". So Hugo von St. Victor.
  5. Eine sehr frühe Definition von Sokrates: "Lernen ist Erinnern von Informationen, die bereits seit Generationen in der Seele des Menschen wohnen."

Lust auf Neues, Spaß am Lernen in entspannten Feldern

Das was Lernen ist, ist Perspektivenabhängig. Das gilt auch für die wissenschaftliche Erforschung des Lernens.
Lernen ist mehr als das reine Aufnehmen und Abspeichern von Daten. Lernen ist Evolution. Beobachtet man evolutionäre Prozesse in der Natur, so kommt man schnell zu der Überzeugung, dass Lernen aus sich selbst heraus geschieht. Die Motivation zu lernen ist primär an das Überleben gekoppelt. Der Mensch möchte aber neben dem Überleben sich selbst verwirklichen. Die Motivation zur Selbstverwirklichung gilt es zu fördern. Das Streben nach Wissen und Erkenntnis ist bereits in jedem Kind angelegt. Die Neugierde wird zu oft bereits in der Vorschulzeit unterdrückt. Die Vorlesung Lern- und Arbeitstechnik zeigt Möglichkeiten auf das eigene Interesse zu wecken und spielerisch zu lernen.
Eine wesentliche situative Voraussetzung für das Auftreten von Neugierverhalten und Spiel ist das "entspannte Feld", das sowohl durch Sicherheit als auch Anregung gekennzeichnet ist. Hier treten Neugierverhalten und Spiel nahezu unerschöpflich auf, weil zumindest das Spiel eine sich selbst belohnende Verhaltensaktivität darstellt, und zwar durch die positiven Emotionen, die es selbst erzeugt (Knierim u. a. 2001). Damit bedürfen aber auch die Lernvorgänge, die im Kontext des Spielverhaltens ablaufen, keiner weiteren positiven oder negativen Verstärkung zum Beispiel durch erwachsene Sozialpartner. Solche Lernvorgänge sind intrinsisch motiviert und nahezu unermüdbar. Wenn es also gelingt, möglichst viele "entspannte Felder" während der Verhaltensentwicklung für menschliche Kinder zu erzeugen, so würden viele Lernprozesse aus eigenem Antrieb erfolgen und bedürften nicht der externen Motivierung durch Erziehende. "Entspannte Felder" könnten in allen Phasen und Räumen der Entwicklung bereit gestellt werden. Ich sehe keinen Grund, sie auf spezifische Lebensabschnitte und Situationen zu beschränken. Im "entspannten Feld" wird nicht nur erkundet, gespielt und das gelernt, was eh schon jeder weiß, sondern hier wird auch bereits bei den nicht-menschlichen Säugetieren experimentiert und Neues erfunden. Bei den mit weit größeren kognitiven Fähigkeiten und manuellen Fertigkeiten ausgestatteten menschlichen Kindern ist dieses Prinzip sicherlich in noch weit größerem Ausmaß verwirklicht. Deshalb dürfte das Agieren im "entspannten Feld" wesentlich dazu beitragen, generelle Problemlösungsstrategien eigenständig zu entwickeln. Ich vermute sogar: Die Zahl der nobelpreisverdächtigen deutschen Forscherinnen und Forscher würde deutlich steigen, wenn bereits von frühester Kindheit an "entspannte Experimentierfelder" zur Verfügung ständen. 

Entspannte Felder als Basis für optimale Lernbedingungen

 Grundvoraussetzungen für entspannte Felder:

  1. Sicherheit: Das Gefühl der Sicherheit geht mit niedrigen Serumkonzentrationen des Hormons Kortisol einher, Unsicherheit mit erhöhten Werten. Diese "Stresshormonkonzentrationen" sind niedrig, wenn Ereignisse und Situationen vertraut, vorhersag- und kontrollierbar sind, wenn sich das Individuum in einem sozialen Netz befindet oder soziale Unterstützung durch einen Bindungspartner erhält (Sachser/Hierzel/Dürschlag 1998; Sachser 2001). Eines oder mehrere dieser Merkmale sollten deshalb auch Bestandteil des "entspannten Feldes" für den Menschen sein.
  2. Externe Stimuli: Die Anregung des Individuums durch externe Stimuli geht Physiologisch gesehen mit einer moderaten Aktivierung des Sympathikus-Nebennierenmark-Systems einher, was sich in einer nicht zu niedrigen aber auch nicht zu hohen Ausschüttung des Hormons Adrenalin äußert. Interessanterweise kennt die Verhaltensendokrinologie bereits seit vielen Jahren den umgekehrt U-förmigen Zusammenhang zwischen Lern- und Gedächtnisleistung auf der einen und den Adrenalinkonzentrationen auf der anderen Seite: Bei zu niedrigen und zu hohen Konzentrationen dieses Hormons wird schlecht, bei mittleren Konzentrationen am besten gelernt (Nelson 2000).

Dies erklärt, warum das "entspannte Feld" Lernprozesse fördert. Es sollte demnach auch für den Menschen so beschaffen sein, dass Anregung gegeben und Langeweile sowie Übererregung vermieden werden. 

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